Bauwirtschaft hält Mantelverordnung für unbrauchbar und fordert Neustart

//Bauwirtschaft hält Mantelverordnung für unbrauchbar und fordert Neustart

Bauwirtschaft hält Mantelverordnung für unbrauchbar und fordert Neustart

Die Bauwirtschaft warnt erneut vor den Folgen der geplanten Mantelverordnung. Die Verwendung von Recycling-Baustoffen und die Verwertung von Bodenmaterial würden zurückgehen. Öffentliche und private Bauherren müssten Mehrkosten von über einer Milliarde Euro jährlich tragen.

Der Zentralverband Deutsches Baugewerbe befürchtet einen deutlichen Rückgang der Recyclingquote in der Bauwirtschaft. Die aktuelle Quote von 90 Prozent wäre mit Inkrafttreten der Mantelverordnung nicht mehr zu halten, erklärte der Hauptgeschäftsführer des Zentralverbandes Deutsches Baugewerbe, Felix Pakleppa, heute Vormittag vor Bundestagsabgeordneten.

Wie Pakleppa betonte, würden die geplanten Regelungen zu den Prüf-, Dokumentations- und Archivierungspflichten den Einsatz von Recycling-Baustoffen einschränken. Selbst für die Recycling-Baustoffe der höchsten Umweltverträglichkeitsklasse, die zukünftig „Produktstatus“ erhalten sollen und daher nicht mehr als Abfall gelten, seien diese Nachweise zu führen. Setze der Bauherr jedoch Primärbaustoffe ein und verzichtet gänzlich auf Recycling-Baustoffe, entfielen diese bürokratischen Hemmnisse komplett.

Auch die Anforderungen an die Verwertung von Bodenmaterial würden sich durch die Mantelverordnung weiter verschärfen. Schon jetzt habe sich die Entsorgung von Bodenmaterial zu einem gravierenden Kostenfaktor entwickelt. „Bei 100 Meter Straßenerneuerung steigen die Kosten allein wegen der Entsorgung des Bodenaushubs und dessen Beprobung um rund 12.000 Euro. Auf einen Kilometer hochgerechnet sind das schon 120.000 Euro – und bei zehn Kilometern 1,2 Mio. Euro“, rechnete Pakleppa vor.

Da eine regionale Verwertung von Böden aufgrund fehlender Bodenbörsen und eines fehlenden Bodenmanagements öffentlicher Auftraggeber in der Regel nicht möglich sei, würden die Böden sogleich nach der Deponieverordnung beprobt und zur nächst gelegenen Deponie transportiert. „Hier leisten wir uns einen Mülltourismus, der ökologisch nicht zu verantworten und natürlich nicht nachhaltig ist. So wird zum Beispiel der Bodenaushub bei den Baumaßnahmen um Stuttgart 21 über Hunderte von Kilometern auf weit entfernte Deponien nach Mecklenburg-Vorpommern und nach Nordfrankreich transportiert“, kritisierte Pakleppa.

Der Hauptgeschäftsführer warnte vor einem weiteren Anstieg der Baukosten aufgrund hoher Deponiepreise: „Nach unserer Einschätzung wird es zu einer zusätzlichen Deponierung von ca. 70 Millionen Tonnen mineralischer Bau- und Abbruchabfälle einschließlich Böden kommen, sofern die Mantelverordnung in der vorgelegten Entwurfsfassung in Kraft tritt. Da sich der Deponieraum weiter verknappen wird und die Deponiepreise schon jetzt anziehen, entstehen Mehrkosten von über einer Milliarde Euro jährlich, die öffentliche wie private Bauherren tragen müssen.“

Das deutsche Baugewerbe fordert daher eine Abkehr von den geplanten Regelungen der Mantelverordnung. Der Verband plädiert gemeinsam mit der Bauindustrie und der Baustoffindustrie für einen Neustart. Nötig wäre nach ihrer Auffassung eine durchgängige und ausgewogene Bauabfallverwertungsverordnung.

(Quelle: www.320grad.de)

2017-03-25T13:14:49+00:00 14. 04. 2016|Aktuelles|0 Kommentare